Archive für 8.4.2008

Zeit und Zeitlosigkeit

Daß es einen Lebensraum gibt, in dem es keine Zeit gibt, ist für einen Menschen nicht oder nur kaum vorstellbar. So war es auch für mich, wenn ich auch oft ahnte: Es gibt diese Welt.

Zwanzig bis fünfundzwanzigjährig habe ich einige Gedichte geschrieben und sie in einem Ringbuch mit dem Namen: „Einschreiben – die Träne der Erleuchtung“ abgelegt. Einer der besseren Texte endete mit den Worten:

Zeit -
der größte Fehler
im menschlichen Wahr
nehmungsapparat.

(Dieser Text enthielt auch Zeilen wie: Ehe, wem Ehe gebührt, supraverleitende Unschärferelation, doch davon mehr an anderer Stelle.)

Verlassen wir diese Lebensphase kommen wir zurück zur Zeit.
Und zur ersten Nichtvorstellbarkeit von Nichtzeit. Es ist eine erste Nichtvorstellbarkeit, denn es gibt sehr wohl Bilder, die den Gegentand einer Zeitlosigkeit treffend transportieren. Ich möchte eines dieser Bilder mit Ihnen teilen:

Als ich noch als selbständiger Organisationspsychologie tätig war und nachmittags von der Arbeit am Computer entspannte - ich lag auf der Couch und hatte den rechten Arm über meine Augen gelegt - sah ich vor dem geistigen Auge erst eine Reihe sinnloser Bilder, die mit der Arbeit bzw. einer Kollegin zusammenhingen.

Doch dann kam ein sinnvolles Bild: Ich sah eine Zeitlinie, die vom Urknall bis zur Jetzt-Zeit ging. Man kennt das aus digitalen Lexika, die auf einer Zeitachse verschiedene wichtige Ereignisse abbilden. In diesem Fall war das der Anfangspunkt des Universums, weiter rechts: entstehende Materie, dann Einzeller, Mehrzeller, Farne, Reptilien, Dinosaurier usf. Es ging bis zum Menschen. Also in Zeit gerechnet eine Periode von einigen Milliarden Jahren.

Das war für mich nicht weiter bemerkenswert. Doch als ich mein geistiges Auge nach oben wandte, sah ich oberhalb dieser Zeitachse Wesen, die wie sehr große Quallen aussahen, aber eine geringere Stofflichkeit als diese hatten. Sie waren der Form nach Quallen, vom Stoff her aber eher aus Licht: Sie flimmerten.

Auch bis hier noch nichts Weltbewegendes. Es konnte ja ein Schnitt in diesem Tagtraum-Film sein und eine neue Episode konnte beginnen. Doch es war nicht so. Die Lichtwesen und die Zeitachse gehörten zum selben Thema, das war dann doch sehr überraschend: Diese Wesen konnte sich nämlich oberhalb dieser Zeitachse bewegen und an verschiedenen Stellen der Zeit in ‘unsere’ Realität eintauchen.

Ich sah also etwas wie eine Zeitreise von Lichtwesen in einem Hyperraum, von dem aus sie durch Abtauchen in unsere Raum- und Zeit-Welt gelangen konnten Sie waren nicht mehr an die Linearität unserer Zeitvorstellung gebunden. (Sehr viele Jahre später habe ich ein ätherisches Modell verstanden, das erklären kann, wie das möglich ist. Aber davon an anderer Stelle mehr.)

Das Traumbild hatte noch einen weiteren Höhepunkt. Vor meinem geistigen Auge fing sich die Zeitachse an zu drehen – auf der waagerechten Ebene. So, daß ich sie erst schräg von der Seite sah. Sie drehte sich immer weiter – bis sie nur noch als Punkt sichtbar war. Ich sah jetzt alles von vorne: Es gab keine Zeit mehr. Die ganze stoffliche und biologische Evolution ’stand’ in diesem einen Augenblick. Über zehn Milliarden Jahre in einem Lidschlag. Ich kriegte Gänsehaut.

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